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100% vollvermietet

von Karin Saal

Folgendes Schild gibt wieder einmal Anlass für eine Betrachtung auf linguistische Art:

vollvermietet

Zunächst sticht das Wort „vollvermietet“ hervor, ist es doch ein eher wenig gebräuchliches bzw. gehörtes.

Im Internet findet sich zum Begriff „Vollvermietung“ diese Definition: Ein Zustand, in dem sämtliche vermietbare Flächen einer Immobilie von zahlenden Nutzern belegt sind. (http://www.enzyklo.de/Begriff/Vollvermietung)

So weit, so gut. Wort verstanden und den Sinn erkannt.

Nun hat die Immobilienfirma aber noch ein 100% vor das vollvermietet gestellt. „100% vollvermietet“ also. Doch sagt nicht schon das Wort alleine aus, dass 100% vermietet sind? Hier handelt es sich aus linguistischer Sicht um eine Redundanz, eine „mehrfache Nennung von Informationen, die für das Verständnis des Gesamtkontexts nicht notwendig sind.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Redundanz_%28Kommunikationstheorie%29).

Ganz genau hingeschaut ist es eine leere Redundanz, bei der das Weglassen eines Bestandteiles der Information den Gehalt der Information nicht verändert. Ein weiteres Beispiel für solch eine leere Redundanz wäre „offenes Cabrio“.

Ins Englische übersetzt wird der Begriff mit „fully leased“ oder „100% leased“. Vielleicht wurde die Botschaft des Schildes „100% vollvermietet“ ja in Anlehnung an diese englische Übersetzung formuliert?

Aus Marketingsicht lässt sich natürlich noch fragen, an wen sich das Schild, also die Werbung, richtet. Auf Grund der Wahl eines Wortes aus einem Fachsprachenregister dürften sich Maklerkollegen („Geweihvergleich“) oder Investoren angesprochen fühlen. Wie das Wort auf „normale“ Immobilienbesitzer wirken mag, sei dahin gestellt.