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Linguasystemische Methode

Die lingua-systemische Methode von Stefan Goes vereint Wissen der Angewandten Linguistik mit Prinzipien der Systemischen Beratung. Anwendungsbereich ist die zwischenmenschliche Kommunikation mit den Zielrichtungen Verständnissicherung, Steuerung und Wirksamkeit. Hintergrund dieser Methode ist die Annahme, dass Menschen in sozialen Systemen handeln. Sie sind so immer Teil ihrer Umgebung, ihrer Geschichte, ihrer Ziele und ihrer Werte. Dabei benutzen sie die Sprache als Werkzeug zur Kommunikation. Menschen denken und handeln in Sprache.

Konzept
Linguistische Kenntnisse und Methoden werden in den systemischen Rahmen eingebettet. Aus der systemischen Praxis fließen im Wesentlichen diese Aspekte / Methoden ein:

  • Annahme des „Hyperrealismus“ (Humberto Maturana), d.h., niemand kann „Recht haben“, bzw. „alle haben Recht“, weil zeitgleich unendlich viele Wirklichkeiten existieren
  • Grundannahme des Handelns von Menschen in sozialen Systemen
  • Grundannahme des eigenverantwortlichen, sinnhaften Handelns
  • Ressourcenorientierung
  • Suche nach „Spielern zweiter Ordnung“, also Einflüssen durch nicht beteiligte natürliche Personen, Organisationen, unbelebte Gegenstände (wie „die Entfernung“ oder „das Medium“) und Metaspieler (wie „das Problem“, „der Prozess“, „das Produkt“)
  • Einsatz systemischer Methoden wie Systemlandkarte / Soziogramm, Aufstellung mit dem Familienbrett, Perspektivwechsel, konstruktive Fragen, Reflecting Team

Aus der Soziologie fließen grundsätzliche Hinweise zur Funktion von Gruppen von Menschen ein, aus der Psychologie wird Grundlagenwissen der Personal- und Motivationspsychologie zum Einsatz gebracht und aus der Hirnforschung vornehmlich die Forschungsergebnisse von Gerhard Roth.
Das führt dazu, dass das linguistische Wissen weniger aus der Perspektive der Regeln und Werkzeuge als vielmehr der schöpferischen Tätigkeit an sich verstanden wird.
Aus der Linguistik im weiteren Sinne fließen diese Elemente ein:

  • Kommunikationsmodelle
  • Syntax
  • Prosodie
  • Semantik, Schlüsselwörter, Stilregister
  • paraverbale Äußerungen
  • Sprechakte, Sprachhandlungen, Turn-Taking, Gesprächsschrittpaare
  • Dialogthematische Steuerung, Responsivität, Kohärenz
  • Selbst- und Fremdkorrekturen
  • Strategie und Taktik
  • Frage- und Argumentationstechniken

 

Quellenverzeichnis
Bauer, Joachim: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren. Hoffmann und Campe: Hamburg 2007.
Bierhoff, Hans Werner / Frey, Dieter (Hrsg.): Handbuch der Sozialpsychologie und Kommunikationspsychologie. Hogrefe: Göttingen et al. 2006.

Brandstätter, Veronika / Otto, Jürgen H. (Hrsg.): Handbuch der Allgemeinen Psychologie – Motivation und Emotion. Hogrefe: Göttingen et al. 2009

Becker-Mrotzek, Michael / Brünner, Gisela: „Der Erwerb kommunikativer Fähigkeiten: Kategorien und systematischer Überblick“. In: Becker-Mrotzek, Michael / Brünner, Gisela (Hrsg.): Analyse und Vermittlung von Gesprächskompetenz. Peter Lang: Frankfurt a.M. et al. 2009, S. 29-42

Biere, Bernd Ulrich / Hoberg, Rudolf (Hrsg.): Bewertungskriterien in der Sprachberatung. Narr: Tübingen 1995.

Bühler, Karl: Sprachtheorie: Die Darstellungsfunktion der Sprache. G. Fischer: Stuttgart et al. 1999.

Albert Busch / Stefan Goes: Linguistische Unternehmensberatung in Kooperation von Universität und Beratungspraxis. In: Sigurd Wichter / Albert Busch (Hrsg.): Wissenstransfer – Erfolgskontrolle und Rückmeldungen aus der Praxis, S. 67-82. Frankfurt/M. 2006.

Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Alfred Kröner: Stuttgart 1990.
Deppermann, Arnulf / Hartung, Martin (Hrsg.): Argumentieren in Gesprächen. Gesprächsanalytische Studien. Stauffenburg: Tübingen 2006.

Deppermann, Arnulf / Spranz-Fogasy, Thomas (Hrsg.): be-deuten: Wie Bedeutung im Gespräch entsteht. Stauffenburg: Tübingen 2006.

Deppermann, Arnulf: „Verstehen im Gespräch“. In: Kämper, Heidrun / Eichinger, Ludwig (eds.): Sprache – Kognition – Kultur. Sprache zwischen mentaler Struktur und kultureller Prägung. de Gruyter: Berlin 2006, S.225-261.

Egbert, Maria: Der Reparatur-Mechanismus in deutschen und interkulturellen Gesprächen. Verlag für Gesprächsforschung: Mannheim 2009.

Fiehler, Reinhard/Schmitt, Reinhold: „Gesprächstraining“. In: Knapp, Karlfried et al. (Hrsg.): Angewandte Linguistik: ein Lehrbuch. Francke: Tübingen, Basel 2010, S. 341-361.

Foerster, Heinz von / Pörksen, Bernhard: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker. Carl-Auer: Bonn 2004.

Goes, Stefan: „Das ,nicht’ war zu leise!“ Untersuchungen zur kommunikativen Verarbeitung von Abweichungen in Gesprächen. Duehrkohp & Radicke: Göttingen 2001.

Goes, Stefan: Warum linguasystemische Gesprächssteuerung “Sprachmagie” heißen muss In: Dräger, Marcel / Kuhnhenn, Martha (Hrsg.): Linguistisches Wissen in Weiterbildungen zur Kommunikationskompetenz. Frankfurt/M 2016.

Goffman, Erving: The Presentation of self in everyday Life. Penguin Books: London et al. 1990.

Hausendorf, Heiko: „‚Was kommt als Nächstes?’ Fokussierungen revisited“. In: Hausendorf, Heiko (Hrsg.): Gespräch als Prozess. Linguistischen Aspekte der Zeitlichkeit verbaler Interaktion. Narr: Tübingen 2007, S. 221-247.

Hörmann, Hans: Psychologie der Sprache. Springer: Berlin 1970.

Laclau, Ernesto / Mouffe, Chantal: Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus. („Hegemony and socialist strategy“) Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Michael Hintz und Gerd Vorwallner. Passagen-Verlag: Wien 2012.

Levinson, Stephen C.: Pragmatics. Cambrigde University Press: Cambrigde 1983.

Ludewig, Kurt / Wilken, Ulrich (Hrsg.): Das Familienbrett – Ein Verfahren für die Forschung und Praxis mit Familien und anderen sozialen Systemen. Hogrefe: Göttingen et al. 2000.

Luhmann, Niklas: Einführung in die Systemtheorie. Carl Auer: Heidelberg 2004.

Luhmann, Niklas: Einführung in die Theorie der Gesellschaft. Carl-Auer: Heidelberg 2005.

Maturana, Humberto R. / Pörksen, Bernhard: Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens. Carl-Auer: Heidelberg 2002, 2008.

Mondada, Lorenza: „Turn taking in multimodalen und multiaktionalen Kontexten“. In: Hausendorf, Heiko (Hrsg.): Gespräch als Prozess. Linguistischen Aspekte der Zeitlichkeit verbaler Interaktion. Narr: Tübingen 2007, S. 247-277.

Morris, Charles W.: Grundlagen der Zeichentheorie. Ästhetik und Zeichentheorie. Hanser: München 1972.

Roth, Gerhard: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten. Warum es so schwierig ist, sich und andere zu ändern. Klett-Cotta: Stuttgart 2007.

Roth, Gerhard / Strüber, Nicole: Wie das Gehirn die Seele macht. Klett-Cotta: Stuttgart 2014.

Schuler, Heinz (Hrsg.): Lehrbuch Organisationspsychologie. Hans Huber: Bern 2007.

Schuler, Heinz (Hrsg.): Lehrbuch der Personalpsychologie. Hogrefe: Göttingen et al. 2001.

Selting, Magret: „Beendigung(en) als interaktive Leistung“. In: Hausendorf, Heiko (Hrsg.): Gespräch als Prozess. Linguistischen Aspekte der Zeitlichkeit verbaler Interaktion. Narr: Tübingen 2007, S. 307-337.

Streeck, Jürgen: „Geste und verstreichende Zeit: Innehalten und Bedeutungswandel der „bietenden Hand““. In: Hausendorf, Heiko (Hrsg.): Gespräch als Prozess. Linguistischen Aspekte der Zeitlichkeit verbaler Interaktion. Narr: Tübingen 2007, S.157-181.

Taylor, Talbot J.: Mutual misunderstanding. Sceptism and the Theorizing of Language and Interpretation. Duke University Press: Durham, London 1992.

Tillmann, Klaus-Jürgen; Sozialisationstheorien. Eine Einführung in den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung. Rowohlt: Reinbek 2001.

Watzlawick, Paul et al.: Pragmatics of Human Communication. A Study of Interactional Patterns, Pathologies, and Paradoxes. W.W. Norton & Company: NewYork 1967.

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Ein Pfirsich unter Äpfeln – kann man das herkömmliche Management abschaffen?

von Stefan Goes

Ich habe mir gerade wieder fünf Bücher gekauft. Diesmal aber nicht aus eigenem Antrieb aber immerhin aus Neugier.
Eine Unternehmerin, die eine ihrer Nachwuchsführungskräfte zu mir ins Führungscamp geschickt hat, empfahl mir diese Bücher zu lesen:

  1. Dirk Baecker: Die Sache mit der Führung
  2. Gerhard Wohland / Matthias Wiemeyer: Denkwerkzeuge der Höchstleister
  3. Niels Pfläging: Organisation für Komplexität
  4. Niels Pfläging / Silke Hermann: Komplexithoden
  5. Lars Vollmer: Wrong Turn

Warum dies? Der junge Mann hatte sich besorgt gezeigt, ob die von der Chefin aktuell verfolgte „Pfirsich-Methode“ des Managements im Unternehmen funktionieren könne, wo doch ein großer Teil der Mitarbeiter lieber Äpfel äßen, sozusagen, also lieber konventionell geführt werden wollte.
Von „Pfirsich statt Pyramide“ spricht Pfläging in Buch Nummer 3 auf meiner Liste erst ab Seite 55. Und natürlich geht es vorher um viel mehr. Denn die Idee ist, grob gesagt, Management nicht mehr hierarchisch sondern funktional zu organisieren. Gute Idee, so wie der Sozialismus. Dafür braucht man aber die richtigen Leute und eine geeignete Führungsmannschaft.
Also jetzt lese ich erst einmal die Bücher und schaue dann, was in dem Unternehmen in der Zwischenzeit so passiert sein wird.

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Krisen lösen

Vor kurzem entstand während der Arbeit mit eines unserer Kunden diese Grafik zum Thema Krisen lösen:

Krisen_lösen

Eine Krise entsteht meist dadurch, dass eine wie auch immer geartete Störung eintritt. Die Krise an sich kann viele unterscheidliche Aspekte aufweisen und sollte immer dahingehend untersucht werden, welcher Aspekt im Vordergrud steht. Wird keine Lösung gefunden, muss tiefer geforscht werden. Wird die gefundene Lösung nicht von allen Beteiligten akzeptiert ebenfalls.

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Laut ist nicht gleich stark – und stille Wasser sind tief

Das Verhalten und die Persönlichkeit von Menschen lassen sich – bezogen auf Aktivität und Präsenz in Gruppen – nach diesen vier Polen unterscheiden:

  • Extraversion vs. Introversion sowie
  • Angst vs. Mut

Extraversion wird im Fremdwörterlexikon als „die vorwiegende Einstellung des Denkens, Fühlens und Handelns auf die Außenwelt“ beschrieben. Laut Wikipedia zeichnet sich die Extraversion „durch eine nach außen gewandte Haltung aus. Extravertierte Charaktere empfinden den Austausch und das Handeln innerhalb sozialer Gruppen als anregend.“

Das Fremdwörterbuch definiert Introversion dagegen als „vorwiegende Konzentration auf das eigene Seelenleben bei verminderten Interesse für die Außenwelt“. Wikipedia sagt: „Introvertierte Charaktere wenden ihre Aufmerksamkeit und Energie stärker auf ihr Innenleben. In Gruppen neigen sie eher zum passiven Beobachten als Handeln und werden häufig als „still“, „zurückhaltend“ und „ruhig“ beschrieben.“

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 Es gibt also vier grundlegende Verhaltensmuster von Menschen in Gruppen, die sich aus der Kombination der beiden Gegensatzpaare ergeben:

  • Introversion und Angst: Eine heikle Mischung, denn sie führt je nach Ausprägung zur Handlungsunfähigkeit. Menschen, die sowohl introvertiert als auch ängstlich sind, halten sich in Gruppen, ihrer Handlungspräferenz entsprechend eher zurück, und trauen sich auf Grund ihrer Ängstlichkeit oder Schüchternheit nicht, aktiv zu werden, wenn es zur Wahrung ihrer Interessen angeraten wäre. Sie neigen dazu, sich zu verstecken, klein zu machen und nach Möglichkeiten zur Flucht Ausschau zu halten.
  • Extraversion und Angst: Diese Mischung hat es in sich. Oft werden Extraversion und Mut irrtümlicherweise gleich gesetzt. Das ist falsch, denn Extravertierte können auch ängstlich sein. Weil sie „von Natur aus“ nach außen, ins Zentrum, „ins Licht“ streben und sich gleichzeitig davor fürchten, was ihnen dort begegnen wird, sind sie oft überaus empathisch. Zugleich sind sie oft relativ dünnhäutig und empfindlich.
  • Extraversion und Mut: Die risikobereiten Helden, die als Erste untergehen. Mutige Extravertierte stürmen stets nach vorne, sind impulsiv und laufen daher nicht selten direkt ins offene Messer. Sie sind aber auch diejenigen, die im Wettkampf meist die Nase vorne haben und Vorteile schnell zu greifen wissen.
  • Introversion und Mut: Menschen mit diesen Eigenschaften agieren meist partnerorientiert und besonnen. Ihnen macht so schnell niemand etwas vor. Sie nehmen alles in Ruhe wahr und bilden sich ihre Meinung, die sie dann (auch vehement) vertreten können.

Und? Wo gehören Sie hin? Haben Sie sich schon in dem einen oder anderen Verhalten entdeckt?

Natürlich gibt es unzählige Abstufungen der Verhaltensmuster, die sich je nach Ausprägungsgrad der vier Pole Extraversion vs. Introversion und Angst vs. Mut entwickeln. Nehmen Sie dieses kleine Blatt also bitte nicht als eine „goldene Regel“ sondern versuchen Sie lieber, bei sich und anderen auf Entdeckungsreise zu gehen.

 

Literaturempfehlung:

Cain, Susan: Still: Die Kraft der Introvertierten. München: Goldmann, 2013

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Spontan-Logik vs. Denken

von Stefan Goes

Auf dem Fußweg vor meinem Büro kam mir gerade ein nicht mehr ganz junger junger Mann auf seiner smaragdmetallicgrünen Vespa mit laufendem Motor entgegen. Er blickte mir fest in die Augen und fuhr an mir vorbei. Das war eng. Warum er das wohl tat? Nahe liegende Erklärung: Er hätte sonst auf der Straße entgegen der Fahrtrichtung fahren müssen. Das hätte ihn im Zweifelsfall €25 gekostet. Auf dem Fußgängerweg aber nur €15. Eine logische Entscheidung also, wenn man den Bußgeldkatalog im Kopf hat. Dies dürfte hier nicht der Fall gewesen sein, obwohl er ziemlich unrasiert war. Den Führer des Kraftrades leitete wohl eher eine spontan-logische Entscheidung.
Spontan-Logik liegt vor, wenn ohne großes Denken aus der Situation heraus scheinbar logisch entschieden wird. Z.B. „Also auf dem Fußweg darf man ja in beide Richtungen und ich lass‘ ja auch nur rollen…“. Diese spontan-Logik führt oft in die seltsamsten oder unangenehmsten Situationen; Hollywood und Till Schweiger wissen darum. Der große Vorteil dennoch: Es wird entschieden. Und ein Bedürfnis nach schneller, befriedigender Lösung wird erfüllt.
Denken hingegen führt häufig zu einer wirklich sinnvollen Entscheidung (ja ich weiß, das muss man können und Information braucht man auch noch). Der Nachteil hier: Es dauert oft zu lange oder man kommt zu keiner Lösung. Und oft ist die sinnvolle Lösung nicht emotional sättigende.
Wenn ich also spontan entscheiden sollte, würde ich logischerweise Spontan-Logik wählen.

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Die Mindestlohnfalle

von Stefan Goes

Neulich saß ich abends im Restaurant eines guten Hotels mit gehobener Küche. Am Nebentisch unterhielt sich der Besitzer mit einem befreundeten Ehepaar über dies und das. Bald kamen sie auch auf den Mindestlohn und seine Auswirkungen auf das Gastgewerbe zu sprechen. Alle drei waren sich in ihrer Empörung über diese Zumutung einig. Der Gastronom führte aus, dass er als Konsequenz die von ihm freiwillig gegebene Pause von 25 Minuten gestrichen habe, denn die MitarbeiterInnen müssten auch ihren Beitrag leisten. Er wolle ja in der Lage sein, auch mal eine Cola oder ein Stück Kuchen gratis an sie abzugeben. Mein Appetit auf das gute Essen war danach stark eingeschränkt. Ich war erstaunt, dass er seinen sehr motivierten, perfekt ausgebildeten Servicekräften nicht schon  längst den Mindestlohn zahlte. Und das ungeschickte Vorgehen nach dem Prinzip „wenn ich leide, leidet ihr auch“ ließ mich ins Grübeln kommen. Gemeinsam getragenes Leid motiviert und vereint nur dann, wenn alle die Entscheidung zu diesem Weg gemeinsam getroffen und sich gemeinsam in das Leid begeben haben. Warum hatte er, wenn er schon meinte, an der Kostenschraube drehen zu müssen, nicht seine Leute um Ideen zur Kosteneinsparung gebeten? Vielleicht hätten sie sich sogar die Extra-Pause selbst verkürzt oder gestrichen?

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Präsentieren 3.0: XXL-Merkkärtchen mit Show-Effekt

von Stefan Goes

Als ich mich neulich auf einen Vortrag über Sprachmagie vor 450 UnternehmerInnen vorbereitete, sah ich mich mit folgendem Dilemma konfrontiert:
Eine Präsentation per Beamer verbot sich aus zwei Gründen: Ich kann PPT nicht leiden und ich kann PPT nicht leiden.
Eine ganz freie Präsentation ohne Visualisierung verbot sich aus ebenfalls zwei Gründen: Die eine oder andere Grafik war erforderlich und ich neige zum Extemporieren und Hinfortmäandern.
Die Lösung fiel mir wenige Stunden vor dem Bühnenauftritt ein: Merkkärtchen XXL! Ich kaufte mir also flink 10 Foamboards im Format 70×100 und vier extrabreite edding-Marker in schwarz und rot/grün/blau. In 20 Minuten war meine Präsentation fertig: 11 Abbildungen der wesentlichen Inhalte meines Vortrages waren gezeichnet.
Mit denen lief ich also auf der Bühne umher und konnte sogar ins Publikum, um sie dem einen oder anderen Gast vor die Nase zu halten. Dies sorgte für viel Dynamik und Publikumsbeteiligung. War das Thema besprochen, warf ich den Karton hinter die Bühne und nahm den nächsten.
Der Erfolg war sehr gut. Die Gäste haben viel gelacht, sich das Wesentliche gemerkt und ich blieb in der Zeit und hatte eine Menge Spaß.
Der Einwand, Bühnenerfahrung, Extraversion und Mut zum Risiko seien nötig, ist zwar richtig, doch lässt sich die Methode auch von zurückhaltenden RednerInnen anwenden. Dynamik und Darstellungsweise einfach an die eigene Persönlichkeit anpassen! Probieren Sie es aus.

01_System_Mensch_Wein
Systemtheorie erklärt am Beispiel des Vortragsgastes

10_TRP_Bahnhof
Sprecherwechsel erklärt am Beispiel eines Bahnhofs

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Prontezza

von Stefan Goes

Viele Menschen wünschen sich „Schlagfertigkeit“. Typisch deutsch, dieses Wort, ziemlich grob. Und es stellt nicht dar, worum es geht. Als reaktionsschneller Mensch stehe ich ja nicht im Dialog herum, bereit, flink mit meiner Peitsche zuzuschlagen oder mit dem Florett zuzustechen. Wagen wir einen Blick über den Tellerrand:
Die Engländer nennen es „quick-wittedness“. Dieses Kompositum kommt der Sache schon näher: Ein wacher, schneller Geist wird benötigt. Sie verwenden auch „repartee“ (hierbei bitte Jack Sparrow vorstellen!) – ein Lehnwort aus dem Französischen. Hier ist es der „sens de la repartie“. Typisch französisch, möchte man sagen, denn ein Gespür wird verlangt und zwar für etwas recht Schräges: Die Umkehr vom Sich-Entfernen. Man kann es sich fast vorstellen: Man hat schon den Rücken gewandt und dreht sich noch einmal um für den treffenden Spruch. Im modernen Französisch steht das Wort auch im Kontext von „wieder aufbrechen“, „weiterfahren“, „wieder zurückkehren“, „wieder anfangen“. Sehr dynamisch. Das Hin und Her ist spürbar. Richtig angetan haben es mir aber die Italiener: Sie nennen es „prontezza (di parola)“. Da steckt das Schnelle drin. Übersetzungen sind bezeichnenderweise „Vorsicht“, „Beflissenheit“, „Bereitwilligkeit“, „Klugheit“, „Schlauheit“ oder „Wachsamkeit“.
So genau wollten Sie es wahrscheinlich gar nicht wissen. Deshalb hier ein paar Tipps für die Praxis:
Hürden sind: Überraschung, Empörung, Unterlegenheitsgefühl, Angst oder einfach Griesbrei zwischen den Ohren. Also alles, was Sie hemmt oder verlangsamt.
Sie brauchen: Humor, Sportsgeist, Spaß am Gerangel, Assoziationsvermögen, bildhaftes Denken, Mut, Witz, Frechheit. Ach so und Übung.
Üben können Sie Prontezza, indem Sie sich angewöhnen, mehr in Bildern oder Geschichten zu denken und zu sprechen. Sich darauf einzulassen, spontanen Assoziationen nachzugehen, auch wenn sie absurd wirken. Ferner hilft es, wenn Sie an Ihrem Selbstwertgefühl arbeiten, sollten Sie das als nötig empfinden. Prontezza geht nur leicht von der Zunge, wenn man sich ebenbürtig findet. Hilfreich hier finde ich, wenn man im Verhältnis mit der Gesprächspartnerin nach einer Gemeinsamkeit sucht, in der sie auf einer Ebene steht, und wenn es nur ist, dass Sie aus derselben Stadt stammen. Ganz wichtig ist der emotionale Abstand. Wenn Sie sich zu sehr angesprochen fühlen, wird Ihre Antwort plump oder bissig herauskommen – weil Sie sich ja eigentlich schlagen wollen.
Also, immer schön locker bleiben und mit offenen Augen durch die Welt laufen. Und mal ’ne dicke Lippe riskieren, wie der Berliner sagt.

Grube_DB_Schlagfertigkeit

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Freiheit vs. Kontrolle

von Stefan Goes

Aus unseren Gefühlen und Gedanken folgt unser Handeln. Dieses Handeln, ja oft sogar das Denken und Fühlen selbst, unterliegt dem Spannungsfeld aus Freiheit und Kontrolle:

Bild 2

Diese Spannung kann erstens in einem Menschen selbst zwischen Mitgliedern seines „inneren Teams“ ( Engelchen und Teufelchen, Hippie und Pastor) anliegen, zweitens zwischen einem Menschen und abstrakten Denkkonstrukten wie Werten, Ethik, Bräuchen, Regeln und Gesetzen oder drittens zwischen verschiedenen Menschen.
Diese Auseinandersetzung erfolgt vor dem Hintergrund dieser fünfgliedrigen Handlungsskala:

können – wollen – dürfen – sollen – müssen

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Die unabwendbare Art des Abweisens

von Stefan Goes

Häufig sagen wir, um einem Thema auszuweichen „Darüber könntest du mit N. sprechen.“ (konstruktiv) oder „Das ist nicht mein Thema.“ (sachlich) oder vielleicht sogar „Das interessiert mich nicht.“ (ehrlich aber unhöflich). Auf diese Ausweichmanöver sind unsere Gesprächspartner vorbereitet; es fällt ihnen meist etwas dazu ein: „Ich halte dich aber für die richtige Person.“, „Na, ich finde schon und zwar, weil …“ oder „Da bin ich aber erstaunt.“. Großartig finde ich deshalb diesen Satz, den in einer Folge von Lilyhammer Frank Tagliano alias Giovanni Hendriksen anbringt: „Sie verwechseln mich mit jemandem, den das interessiert.“ Die Verantwortung liegt vollkommen beim Gesprächspartner, dem Dummerchen! Wirksam wie eine Neutronenbombe. Deshalb leider nur selten anwendbar. Schade.